Die Krämerin am Altenburger Markt

Mitten am Altenburger Markt lebte im späten 15. Jahrhundert eine Händlerin, die in den Quellen als die Pfeilin oder Phylin erscheint. Ihr Vorname ist nicht überliefert. Zwischen 1475 und 1492 bewohnte sie dort ein Haus und handelte mit Gewürzen – darunter auch mit Safran.

Ihre Waren kamen aus den großen Handelsstädten der Zeit, etwa aus Leipzig, Nürnberg, Naumburg oder Erfurt. Als Krämerin verband sie diese überregionalen Handelswege mit dem Alltag der Altenburger Stadt. Zu ihren Kunden gehörte sogar der kurfürstliche Hof: Schlossrechnungen belegen, dass der Leibkoch Jörg bei ihr Safran, Pfeffer, Ingwer und Gewürznelken kaufte.

Für die Pfeilin war ihr Bürgerrecht ein wirtschaftlicher Vorteil. Als Altenburger Bürgerin konnte sie Waren günstiger in die Stadt bringen als auswärtige Händler, die an den Stadttoren Geleit und Abgaben entrichten mussten. Ihr Geschäft zeigt damit, welche Rolle städtische Rechte und lokale Netzwerke für den Gewürzhandel spielten.

Besonders reizvoll ist eine spätere Spur. Anfang des 16. Jahrhunderts wird in Unter-Pauritz ein Safrangarten erwähnt, den eine „alte Krämerin“ gemeinsam mit ihrem Sohn bewirtschaftete. Ob damit tatsächlich die Pfeilin gemeint war, lässt sich nicht beweisen.