Der geraubte Zentner Safran

Ein Freiberger Krämer war im 15. Jahrhundert mit einer außergewöhnlichen Fracht auf Sachsens Straßen unterwegs: einem ganzen Zentner Safran. Auf dem Weg wurde der Händler von Johannes Schweitzer und seinen Genossen überfallen. Die Räuber nahmen die kostbare Ware an sich.

Für den Krämer war der Verlust existenzbedrohend. Doch der Überfall wurde schnell zu mehr als einem privaten Schadensfall. Kaufleute, die die vorgeschriebenen Straßen nutzten und dafür Geleit entrichteten, erwarteten im Gegenzug Schutz durch die Landesherren.

Genau deshalb beschäftigte der Safranraub schließlich auch die sächsische Fürstenfamilie. Margarete von Österreich sowie ihre Söhne, Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, standen wegen des Falls im Schriftwechsel. Im Mittelpunkt stand die Frage, wer für einen Verlust einstehen musste, wenn ein Händler trotz zugesicherten Geleits beraubt worden war.

Solche Fälle berührten unmittelbar die Interessen der Landesherren. Unsichere Wege konnten Kaufleute dazu bringen, andere Routen zu wählen oder bestimmte Gebiete ganz zu meiden. Damit standen nicht nur einzelne Warenlieferungen, sondern auch Handel, Abgaben und die Verlässlichkeit fürstlicher Herrschaft auf dem Spiel.

Der geraubte Zentner Safran ist deshalb vor allem eine Geschichte über Handelssicherheit im späten Mittelalter. Die ungewöhnlich wertvolle Fracht macht sichtbar, wie eng Straßen, Geleit und politische Verantwortung miteinander verbunden waren.